Lerntherapie im Einzelsetting

 

„Mein Kind ist anders“ – Umschriebene Entwicklungsstörungen …

 

Wenn ihr Kind Legasthenie, Dyskalkulie oder AD(H)S hat, dann kennen Sie die Situation: egal, wie viel geübt wurde, die Worte werden einfach nicht richtig geschrieben. Egal, wie oft man sagt, dass sich das Kind gefälligst konzentrieren solle, es schweift immer wieder ab. Egal, wie oft einfache Rechnungen durchgeführt wurden, das Kind zählt immer noch mit den Fingern. Alle bisherigen Methoden schlagen fehl und es will und will nicht besser werden.

 

… und wie eine Lerntherapie hilft.

 

An diesem Punkt setzt die Lerntherapie an: sie funktioniert anders als eine bloße Nachhilfe, da es nicht primär darum geht, spezielle Fachinhalte zu vermitteln, sondern grundlegende Prozesse wie das Schreiben, Rechnen und konzentrierte Arbeiten einzuüben. Dafür werden spezielle Methoden und Materialien verwendet, die Ihrem Kind dabei helfen, diese Prozesse zu erlernen und zu koordinieren. Dies wird durch entsprechende Hausaufgaben vervollständigt, die dafür sorgen, dass ihr Kind am Ball bleibt und die Prozesse einarbeitet.

 

Was ist eine umschriebene Entwicklungsstörung?

 

Warum ist diese Methode aber notwendig? Eltern werden mit einer Diagnose wie Legasthenie oftmals alleingelassen, ohne Erklärung, was genau das zu bedeuten hat.

Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt mit diesem Begriff seit dem Kleinkindalter auftretende Störungen, die an die biologische Reifung des Nervensystems (Gehirnentwicklung) gekoppelt sind und dauerhaft existieren, also nicht „geheilt“ werden können. Die umschriebenen Entwicklungsstörungen schulischer Fähigkeiten umfassen Lesen/Schreiben, Rechnen/Mengenbeurteilung und Aufmerksamkeit.

 

Und was bedeutet das für mein Kind?

 

Eine umschriebene Entwicklungsstörung bedeutet also, dass Ihr Kind (oder ggf. Ihre Kinder) in einem oder mehreren Bereichen der schulischen Fähigkeiten Defizite aufweisen, die nicht äußerlich bedingt sind, sondern durch Probleme in der Entwicklung in bestimmten Hirnarealen entstehen. Daher sind diese Defizite, wie bereits erwähnt, dauerhafter Natur und begleiten Betroffene ein Leben lang. Aber: das Gehirn vernetzt sich stets aufs neue. Daher kann eine Lerntherapie dabei helfen, die Defizite so gut wie möglich zu überwinden, Noten zu verbessern und die Lebensqualität im Allgemeinen zu erhöhen.

 

Materialien mit hoher Qualität …

 

Für Lerntherapien existiert eine Vielzahl an Materialien, die von Fachkräften aus der Pädagogik, Psychologie und Neurologie verfasst und getestet wurden. Dazu gehören z.B. die von Carola Reuter – Liehr konzipierte lautgetreue Lese-Rechtschreibförderung, die Blitzschnelle Worterkennung von Andreas Mayer, der Therapie – Ansatz zu AD(H)S aus dem SELBST – Programm und das Blitzrechnen aus dem Klett – Verlag. Es existieren Materialien für alle Klassenstufen und mehrere Programme bieten Inhalte für mehrere Klassenstufen.

 

… für gezielte Hilfe.

 

Je nachdem, welche Probleme bei Ihrem Kind vorliegen, wie sich diese äußern und in welchem Maße, wird das Programm ausgesucht oder auch mehrere (Teil-)Programme verwendet, um ihr Kind optimal zu fördern. Dabei ist natürlich auch das Feedback von Ihnen und Ihrem Kind entscheidend: wenn ein Programm nicht anschlägt, so wird es angepasst oder gewechselt.

Dabei wird auch das persönliche Gespräch mit den SchülerInnen verwendet, um das Programm vorher zu erklären und zu verdeutlichen, wozu es durchgeführt wird.

 

Aufbau des Selbstvertrauens …

 

Umschriebene Entwicklungsstörungen stellen Betroffene nicht nur vor fachliche Probleme. Wenn vermeintlich einfache Prozesse wie das Schreiben oder Rechnen sich als anstrengend herausstellen und auch nach vielen Versuchen kaum gelingen wollen, so hat dies oftmals Auswirkungen auf das Selbstbild der SchülerInnen, z.B. in Form einer Blockadehaltung oder einer Selbsteinschätzung als „unfähig“. Der Blick auf die MitschülerInnen, denen das Schreiben oder Rechnen leichter fällt, tut dann sein übriges. Daher wird in der Lerntherapie auch darauf geachtet, ein positives Selbstbild aufzubauen und den SchülerInnen die Möglichkeit zu geben, sich von ihrer Entwicklungsstörung nicht das Leben diktieren zu lassen.

 

… und Weiterführung.

 

Lerntherapien verlaufen meist über eine längere Zeit. Dies liegt zum einen daran, dass das Trainieren eines Prozesses, der dem Gehirn zuwiderläuft, anstrengend ist und bereits eine kleine Änderung als eine große Leistung für die SchülerInnen gelten kann. Zum anderen gibt es, je nach Ausprägung, mehrere „Baustellen“, an denen gearbeitet werden muss. Diese können jedoch nicht zeitgleich angegangen werden, denn dies hätte einen zerfaserten Unterricht zur Folge, der nur wenig Hilfe bietet. Überdies müssen bereits erreichte Erfolge gefestigt werden.

© 2025 Henrik Zernott. Alle Rechte vorbehalten.

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